Openmailbox.org – Kostenloser Open-Source Emailanbieter

Einen vertrauenswürdigen Email-Anbieter zu finden, der seinen Dienst kostenlos und zuverlässig zur Verfügung stellt, ist (zumindest für mich) keine leichte Aufgabe. Viele der großen Anbieter sammeln Kundendaten, „schnüffeln“ in persönlichen Mails herum oder bombardieren die Kunden mit Werbung.

Einen ganz anderen Ansatz geht Openmailbox. Dieser Freemail Anbieter kommt aus Frankreich, setzt Open-Source-Software ein und verspricht den Nutzern, die anvertrauten Daten so sicher wie möglich aufzubewahren, um die Privatsphäre zu schützen.

UPDATE: Im August 2017 wurde ohne Vorwarnung auf ein neues System umgestellt und unter anderem IMAP für kostenlose Konten entfernt. Daher kann ich Openmailbox nicht mehr empfehlen.

Als Alternativen bieten sich meines Erachtens an:

Disroot mit einem Funktionsumfang ähnlich der im Artikel beschriebenen Vorteile des alten Openmailbox wie kostenlos, IMAP, verschlüsselte Speicherung der Emails (allerdings nicht per Nutzer!), Nextcloud Speicher und allgemein auf Privathsphäre und Sicherheit bezogene Aspekte.

Tutanota mit einem etwas anderen Ansatz, bei dem jedoch die Nutzermails so verschlüsselt werden, dass auch der Betreiber keinen Einblick darauf hat und dem Anspruch Verschlüsselung so einfach wie möglich für den Endbenutzer zu machen – dafür aber ohne auf Standards wie PGP zu setzen. Auf IMAP wird verzichtet, es gibt jedoch eine App für mobile Geräte, die Benachrichtigungen unterstützt.

Openmailbox Übersicht

Funktionen

Neben 250MB 1GB Speicherplatz und einer Webmail-Oberfläche kann der Dienst natürlich dank POP und IMAP auch mit Email-Programmen wie Thunderbird genutzt werden.

Beim Einloggen auf der Homepage kann zwischen User-Interface, Webmail und Cloud gewählt werden.

Openmailbox Login

Im User-Interface lassen sich im Untermenü „E-mail“ bis zu 10 zusätzliche Alias-Adressen mit der Endung @openaliasbox.org anlegen, mit denen sich ebenfalls Mails empfangen lassen.

Openmailbox AliasesWem die Endung @openmailbox.org zu lang ist, der kann seine Mails auch über den Alias @opmbx.org empfangen.

Die Webmail-Oberfläche ist intuitiv zu bedienen und übersichtlich aufgebaut.

Openmailbox Webmail

Sicherheit und Privatsphäre

Die Verbindung zur Homepage, Webmail-Oberfläche und den Email-Servern via POP und IMAP findet verschlüsselt statt. Der Standort der Server ist Frankreich. Laut eigenen Aussagen werden täglich Backups angelegt um Datenverlust zu vermeiden.

Auf Werbung (und damit verbundenes Tracking) wird komplett verzichtet, der Dienst finanziert sich derzeit ausschließlich über Spenden.

Die IP-Adresse wird beim Abschicken einer Email aus dem Header der Mail entfernt und gibt dem Empfänger daher keine direkten Informationen über den eigenen Aufenthaltsort. Der Dienst selbst speichert die IP-Adressen jedoch. Wer dem entgehen möchte, der kann sich z.B. über TOR einloggen, das wird nicht geblockt!

Die Daten des Dienstes werden verschlüsselt auf dem Server gespeichert. (Leider nur in einem einzigen verschlüsselten Container. Laut Aussagen des Betreibers ist dies aufgrund der französischen Gesetzeslage notwendig, um im Falle eines Gerichtsbeschlusses auf die Dateien einzelner Benutzer zugreifen zu können.) Eine Verschlüsselung der Daten, die nur dem einzelnen Nutzer Zugriff auf seine Mails erlaubt und selbst den Betreiber „aussperrt“ ist daher nicht gegeben – es sei denn, man sendet und empfängt nur PGP-verschlüsselte Mails.

Aufgrund der OpenPGP-Integration ist es nämlich möglich PGP-Keys zu importieren und auch über die Webmail-Oberfläche verschlüsselte Emails zu verschicken.

Open-Source

Für Openmailbox verwendet der Betreiber eine Reihe von Open-Source-Programmen. Die wohl offensichtlichsten sind Roundcube für Webmail und OwnCloud für die Cloud. Eine Liste aller Programme werde ich hier verlinken, wenn der Betreiber diese veröffentlicht.

OwnCloud und Speicher

Neben einem reinen Email-Dienst wird auch eine Cloudlösung angeboten. Im User-Interface kann zusätzlicher Speicherplatz für Emails und Cloudspeicher gekauft werden und das Projekt so finanziell unterstützt werden.

Openmailbox Speicher

Fazit und Erfahrung

Nach einiger Benutzung, wichtigen Bugfixes und auch Gesprächen mit dem Entwickler kann ich Openmailbox als Ersatz zu den großen Fischen wie gmx, web oder gmail wärmstens empfehlen. Im dazugehörigen Forum werden Fragen oder Bedenken von der Community und vom Betreiber selbst beantwortet.

Aufgrund des kürzlich erworbenen eigenen IP-Blocks sollten verschickte Mails von anderen Anbietern nicht als Spam eingestuft werden – es sei denn man verschickt tatsächlich Spam :P

Bedenken

Was mich am meisten „stört“ ist, dass das gesamte Projekt von nur einer einzigen Person gestemmt wird. Was im Falle eines Unfalles/Krankheit dann mit Openmailbox geschieht ist dann nicht abzusehen. Hoffentlich tritt diese Fall nie ein, aber darüber sollte man sich dennoch im Klaren sein.

 

10 Gedanken zu „Openmailbox.org – Kostenloser Open-Source Emailanbieter“

  1. Hallo, wie kann man eigentlich eine openmailbox e.mail Adresse löschen da ich sie nicht mehr benötige.
    Habe auf der englischen Seite selber keinen Hinweis dazu gefunden.
    Vielleicht kann mir einer weiter helfen.

  2. ja, ich hätte auch erwartet, dass zu openpgp was gesagt wird, sofern er das darf, FSL? ^^
    Die alten Schlüssel von dort habe ich nicht weiterverwendet und alles weitere wird man sehen.

  3. Integriertes OpenPGP ist mittlerweile nicht mehr dabei, im Forum habe ich dazu aber nichts gefunden. Für das Verschlüsseln scheint das Mailvelope plug-in eine gute Möglichkeit zu sein, um Mail- und Schlüsselverwaltung im Browser zu trennen.

    1. Leider kommen vom Entwickler fast keine Informationen bei solch gravierenden „Änderungen“. Im Forum wurde auf diesen Umstand schon mehrmals hingewiesen, geändert hat sich nichts.
      Dort fand ich auch die Info, dass Weboberfläche und auch Funktionen wohl bald geupdated werden und eine Bezahlversion mit extra Features eingeführt wird.

  4. Guten Morgen,

    ich bin auch ein OpenMailBox-Kunde, quasi seit der ersten Stunde. Ich habe sogar die frühere Oberfläche übersetzt und kann dir daher einige Antworten geben:

    https://web.archive.org/web/20140125112642/https://www.openmailbox.org/licences.php

    listet die Lizenzen dieser Software auf:

    Nginx, Php 5, Bootstrap, Roundcube, Postfix, Dovecot, MariaDB, Piwik, Amavisd, Clamav, Spamassassin, Phpmyadmin, Openssl

    Ein guter Teil davon dürfte heute sogar noch Anwendung finden.
    Daneben existiert ein Changelog (https://twitter.com/openmailbox_org/status/529360856564658176): https://cloud.openmailbox.org/public.php?service=files&t=52f801d5ee2980f47a2b4e5471f34170

    Ich bin mir aber nicht sicher, wie gut es gepflegt wird.
    Immerhin hat Pierre (@skyice_fr) ja auch Sicherheitsbedenken, was das Veröffentlichen obiger Details angeht. Sie sind nun einmal aber öffentlich, weswegen ich sie hier auch verlinke.

    Gruß, André

    1. Es hatte ja mir per Mail und auch im Forum angekündigt, dass er (fast) alle verwendeten Programme auf der Homepage veröffentlicht.
      Die TOS sollen ja auch mal aufgefrischt werden. Aber wenigstens ist der Willkommenstext jetzt englisch :D

      Im Forum liest sich jedenfalls oft raus, dass Pierre fleißig an Openmailbox werkelt, er macht es nur leider nicht immer öffentlich.

  5. Danke für den Tipp!

    P.S.: Die Weboberfläche sieht auf deinem Screenshot noch nach default roundcube aus!? (ist jetzt auch in dem „openmailbox-schwarz“ gehalten….)

    1. Puh, das weiß ich leider nicht genau. Im Forum war nur mal die Rede von kleineren Anpassungen um die Lesbarkeit zu verbessern.
      Man darf nicht vergessen, dass das nur einer in seiner Freizeit betreut. Lieber werden Bugs gefixed als das Theme für die Weboberfläche verändert :D

    2. Es gibt drei, vier verschiedene Themes zur Auswahl in den Einstellungen.

      Wenn ich Zeit finde, werde ich auch einmal wieder alles auf Deutsch übersetzen. Das ging leider mit dem Redesign verloren. Und das Englisch eines Franzosen ist zuweilen … gewöhnungsbedürftig. Zum Glück versteht meine Frau Französisch gut genug, um eine Übersetzung aus seiner Muttersprache zu ermöglichen :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.