Bitmessage mit PyBitmessage unter Ubuntu/Linux

Bitmessage ermöglicht basierend auf der Bitcoin-Technik den verschlüsselten Austausch von Nachrichten (ähnlich einer Email) in einen P2P-Netzwerk. Anders als bei einer Email läuft der Nachrichtentransport nicht über zentrale Server und die verschickte verschlüsselte Nachricht enthält auch keinerlei Hinweise auf den Absender oder den Empfänger. Das bedeutet, dass jede Nachricht allen Teilnehmern des Netzwerks zugestellt wird, doch lesen kann sie immer nur der korrekte Empfänger.

Genauere Informationen zur Sicherheit und Funktion findet man bei Wikipedia und der offiziellen Webseite.

PyBitmessage

Installation

Unter Ubuntu (Linux allgemein) kann man den Client PyBitmessage verwenden, der aber leider (noch) nicht in den offiziellen Paketquellen enthalten ist. Die Installation ist trotzdem denkbar einfach. Zunächst installiert man folgende Pakete:
Terminalbefehl:
sudo apt-get install python openssl git python-qt4
Dann lädt man PyBitmessage ins Homeverzeichnis:
git clone https://github.com/Bitmessage/PyBitmessage $HOME/PyBitmessage
Starten kann man das Programm jetzt schon mit
cd $HOME/PyBitmessage/src/ && python bitmessagemain.py im Terminal.
Führt man noch
cd $HOME/PyBitmessage && sudo make install
aus, so wird PyBitmessage mit Menüeintrag und in deutscher Sprache installiert.

Update

Über neue Versionen von PyBitmessage wird man im Programm mit einer Bitmessage informiert. Um das Update durchzuführen wechselt man in das PyBitmessage-Verzeichnis:
cd $HOME/PyBitmessage
und führt folgenden Befehl aus:
git pull
Fertig :)

Hat man das Programm vor dem Update bereits installiert, muss erneut
sudo make install
ausgeführt werden.

Autostart

Da unter Ubuntu 14.04 zum Zeitpunkt des Artikels das Setzen eines Autostarts in den PyBitmessage Einstellungen nicht funktioniert, hier ein Lösungsvorschlag: Dazu sucht man in den Programmen nach Startprogramme und klickt auf Hinzufügen. Dort trägt man jetzt den Namen und den Befehl ein, der beim Start des PCs ausgeführt werden soll. Als Name bietet sich PyBitmessage an, der Befehl lautet (sofern man wie oben beschrieben das Programm in das Homeverzeichnis geladen hat):
python /home/user/PyBitmessage/src/bitmessagemain.py
Statt user muss hier der eigene Benutzername angegeben werden!

Wurde PyBitmessage vorher installiert, reicht als Befehl pybitmessage aus.

Bitmessage Trayicon

Setzt man jetzt in den Einstellungen von PyBitmessage noch den Haken bei Start Bitmessage in the Tray erhält man beim Systemstart ein Icon rechts oben im Tray und bei eingehenden Nachrichten erscheint eine Benachrichtigung. Um das komplette Fenster zu starten reicht ein Klick auf das Icon und Show Bitmessage. Beim Ausblenden des Fensters wieder im Tray auf Show Bitmessage klicken, ansonsten schließt man das Programm beim Klick auf Schließen komplett.

Adressen erstellen

Um eine/mehrere Bitmessage Adressen zur Kommunikation zu erhalten wählt man im PyBitmessage Client den Tab Your Identities und New an. Dabei kann zwischen zufällig und Kennwort ausgewählt werden – ich habe mich für Kennwort entschieden.

Adressen sichern/wiederherstellen

Möchte man die eben erstellten Adressen sichern, um etwa bei einer Neuinstallation wieder die gleichen zu haben, kopiert man sich die keys.dat Datei aus dem folgenden Verzeichnis: /home/user/.config/PyBitmessage/  (user durch den eigenen Benutzernamen ersetzen) Falls man der Anleitung gefolgt ist einfach diesen Befehl ins Terminal kopieren:
cp $HOME/.config/PyBitmessage/keys.dat keys.dat
Die keys.dat Datei wird dabei ins Homeverzeichnis kopiert. Von dort dann aber bitte an einen sicheren Ort verschieben!

Um die Adressen wiederherzustellen kopiert man die keys.dat Datei wie erwartet wieder nach /home/user/.config/PyBitmessage/ (user durch den eigenen Benutzernamen ersetzen).

Die Ampel

Sowohl im Trayicon als auch im Programm selbst unten rechts zeigt sich in Ampelfarben die Funktionstüchtigkeit. Bei grünen und gelben Punkten besteht eine Verbindung zum Netzwerk, bei roten nicht. Es kann sinnvoll sein den Port 8444 weiterzuleiten, darauf gehe ich aber nicht weiter ein, da es normalerweise nicht notwendig ist.

Bedienung

Bitmessage Posteingang

Bei der Bedienung erwarten einen nicht viele Überraschungen. Die wichtigsten Funktionen sind klar oben mit Tabs angeordnet.

  • Inbox: Posteingang mit den erhaltenen Nachrichten
  • Send: Eine Nachricht verfassen
  • Sent: Verschickte Nachrichten
  • Your Identities: eigene Adressen
  • Subscriptions: abonnierte Rundsprüche (Hinweise auf neue Versionen der Software sind automatisch abonniert)
  • Adress Book: Adressbuch um Kontakte zu speichern
  • Blacklist: unerwünschte Adressen blockieren
  • Network Status: Status des Netzwerks

Mit neueren Versionen ist auch eine Beschränkung der Bandbreite, also der Down- und Uploadgeschwindigkeit möglich. Für Menschen mit langsamer Internetleitung durchaus notwendig, wenn größere Nachrichten im Netzwerk verschickt werden.

Zustellung von Nachrichten

Wird eine Nachricht an jemanden verschickt, der länger als 2 Tage offline war, wird diese verzögert (nach 5, 10, 20, … xx Tagen) so lange weiter verschickt, bis der Empfänger die Nachricht irgendwann erhält.

Wie lange der eigene Client versuchen soll, die Nachricht zuzustellen, lässt sich in den Einstellungen festlegen. Standardmäßig sind es derzeit 6 Monate.

Testen

Zum Testen könnt ihr eine Nachricht an BM-orkCbppXWSqPpAxnz6jnfTZ2djb5pJKDb schreiben und ihr erhaltet nach kurzer Zeit automatisch eine Antwort. Natürlich könnt ihr auch mir gerne Nachrichten schicken: BM-2cXMNhcMQzz33fSSdLMLzcVgTvrPsme8wJ

Warum das ganze?

Jetzt kann man sich natürlich fragen, warum man sich Bitmessage genauer ansehen sollte, gibt es doch schon die verbreitete Email und mit PGP auch die Möglichkeit verschlüsselt zu kommunizieren. Darauf, dass der Otto Normalverbraucher auch in Zukunft keine verschlüsselten Emails versenden kann/will gehe ich hier gar nicht genauer ein. Auch bei verschlüsselt verschickten und empfangenen Emails kann man aus den Metadaten zumindest aber den Absender und den Empfänger herauslesen!

Das alles könnte mit Bitmessage der Vergangenheit angehören. Die Nachrichten enthalten keinerlei Hinweis auf den Absender oder den Empfänger und werden verschlüsselt von allen Clients angenommen – entschlüsseln und lesen kann sie trotzdem nur der (eine) Empfänger. Wem das sicherheitsmäßig immer noch nicht reicht, der kann die Nachrichten zusätzlich noch PGP verschlüsseln!  

Mobil?

Leider gibt es noch keine ausgereiften Apps für Smartphones – das Projekt Bitseal (für Android) befindet sich aber schon in der Betaphase und sieht sehr vielversprechend aus.

Fazit

Der Ansatz eines dezentralen, verschlüsselten, anonymen und sicheren Kommunikationssystems gefällt mir. Deswegen bin ich ab jetzt auch unter BM-2cUepWNmvHWwyrLzV6g5om8qbqQJxgSMAT erreichbar. Sollte der Spam überhand nehmen werde ich mir das jedoch noch einmal überlegen. Spambots soll es wohl schon geben.

Das Projekt Bitmessage steckt noch in seinen Kinderschuhen und wird hoffentlich bald mit kommenden Funktionen massentauglich und eine echte Alternative zur Email.

 

Quellen: Wikipedia, Ubuntuusers

 

4 Gedanken zu „Bitmessage mit PyBitmessage unter Ubuntu/Linux“

  1. Ich mag bitmessage wirklich gerne, aber das updaten funktioniert bei mir nicht.Er sagt „already up to date“, obwohl es nach wie vor 0.6.1 version ist. Ich hab es deinstalliert, neuinstalliert, die keys.dat importiert, und war finally auf 0.6.2. am nächsten tag(heute) war es dann plötzlich wieder auf version 0.6.1. wie bitte ist das möglich?

    einen verzweifelten gruß.

  2. „git clone“ muss übrigens nur einmal verwendet werden. Danach muss man bei jedem Update nur noch in dem Quellcode-Verzeichnis ($HOME/PyBitMesssage) ein „git pull“ ausgeführt werden. Übrigens kann man im Quellcodeverzeichnis auch ein „sudo make install“ ausführen, damit PyBitMessage mit Menüeintrag installiert wird ;)
    Nachtrag: Hat auch den netten Vorteil, dass es dann deutsch ist ^^

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